Die richtige Aufbewahrung der Zigarre

Zigarren

Nun haben wir uns ein paar schöne Zigarrenschätze zugelegt, doch was nun? Wer nicht sofort alles verrauchen will, braucht einen guten Platz um Zigarren aufzubewahren.

Zigarren dürfen weder zu feucht, noch zu trocken gelagert werden. Bei zu trockenen Zigarren besteht die Gefahr, dass das Deckblatt rissig wird, was einen gleichmäßigen Zug verhindert und die ganze Zigarre zerstören kann. Doch auch schon vorher ist der Abbrand eines zu trockenen Tabaks zu heiß und zu schnell. Darunter leidet das Aroma erheblich. So lange das Deckblatt allerdings noch nicht gerissen ist, kann man durch eine Aufbewahrung bei der richtigen Luftfeuchtigkeit die Zigarre eventuell noch retten.

Auf der anderen Seite sollte die Zigarre auch nicht zu feucht sein, sonst kann sich Schimmel entwickeln, was ebenfalls die Zigarre zerstört. Übrigens sind kleine weiße Stellen auf den Zigarren, die sich leicht wegwischen lassen, oft kein Schimmel, sondern die so genannte Zigarrenblüte. Das sind Salzablagerungen, die sich durch schnelle Schwankungen in Temperatur und Feuchtigkeit, z.B. während des Transports, bilden können und die keinen Qualitätsverlust bedeuten. Man kann die Zigarrenblüte vorsichtig mit dem Finger oder einem Pinsel abwischen. Zigarrenschimmel ist im Gegensatz zur Zigarrenblüte ein Grund, die Zigarre am besten gleich zu entsorgen. Allerdings ist Schimmel im Humidor recht selten und entsteht nur, wenn man über einen längeren Zeitraum eine Luftfeuchtigkeit von 80% und höher hat. Mit einem funktionierenden Hygrometer, dessen Stand Sie regelmäßig überprüfen sollten, kann Ihnen dies also nicht passieren. Farblich kann Schimmel  sowohl weiß als auch schwarz, grünlich oder grau sein. Auch Schimmel lässt sich wie die Zigarrenblüte oberflächlich vom Deckblatt entfernen, hinterlässt dabei aber oft einen Fleck. Dies kann man auch als Erkennungsmerkmal nehmen, um Zigarrenschimmel von der Zigarrenblüte zu unterscheiden. Sollten Sie feststellen, dass es sich bei den Ablagerungen um Schimmel handelt, gehört Ihre Zigarre leider in den Mülleimer.

Auch die richtige Temperatur ist wichtig: Zu niedrige Temperaturen können auch das Wachstum von Schimmel fördern (im Zusammenspiel mit Feuchtigkeit). Doch Sie lagern ihre Zigarren ja hoffentlich nicht in einem kalten, feuchten Keller?! Zu warme Temperaturen können wiederum den Schlupf von Tabakkäfern begünstigen.

Stellt man fest, dass Zigarren im heimischen Humidor von Tabakkäfern befallen sind, müssen natürlich zunächst die betroffenen Exemplare aussortiert werden. Es empfiehlt sich, wirklich jede einzelne Zigarre unter die Lupe zu nehmen, durch die charakteristischen Löcher sind sie relativ leicht zu identifizieren. Dabei sollte man wirklich gründlich vorgehen, die Löcher können sich auch unter der Banderole befinden.

Um einen weiteren Befall des eigenen Bestands auszuschließen, gibt es eine recht einfache Maßnahme: Verpacken Sie alle Zigarren, die mit im Humidor lagen, in verschließbare Tiefkühlbeutel und lagern Sie diese für einige Tage in der Tiefkühltruhe oder im Tiefkühlfach ihres Kühlschranks ein. Wenn Sie die Zigarren nach ca. 1 Woche wieder aus dem Tiefkühler entnehmen, bitte in den Tüten im Kühlschrank auftauen lassen, damit die Zigarren ihre Feuchtigkeit behalten und während des Auftauens die Deckblätter nicht reißen. Währenddessen empfiehlt es sich dringend, auch den Humidor für einige Tage ausgiebig einzufrieren. Vorher sollte er gründlich mit destilliertem Wasser gereinigt und von allen Tabakresten befreit werden. Nach dieser Kältebehandlung wird es in ihrem Zigarrenvorrat keine weiteren Tabakkäfer geben. (Dies Kältebehandlung wird übrigens auch von manchen professionellen Zigarrenherstellern durchgeführt, bevor der Tabak weiterverarbeitet wird. Richtig durchgeführt wird die Qualität des Tabaks bzw. der Zigarre nicht negativ beeinflusst).

Das optimale Klima für Zigarren liegt jedenfalls bei einer Temperatur von 20 bis 21°C und einer relativen Luftfeuchte von 69-72%.

Der ideale Aufbewahrungsort ist ein Humidor. Es gibt Humidore in verschiedenen Größen und Ausführungen. Tischhumidore haben meist eine passive Befeuchterbox. Diese Befeuchterbox trägt einen Schwamm im Inneren, welcher mit einer speziellen glykolhaltigen Wasserlösung befeuchtet wird, damit die Luftfeuchtigkeit konstant bei ca. 70% bleibt. Man muss nur regelmäßig, je nach Größe der Befeuchterbox und des Humidors, ca. alle zwei Wochen nachfüllen.

Über eine Temperaturregelung verfügen diese Humidore nicht. Praktisch sind Humidore mit Glasscheiben, so kann man den Inhalt prüfen ohne den Humidor zu öffnen, und mit einer Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsanzeige, so dass man diese Werte auch überwachen kann.

Größere Humidore für mehr als 50 Zigarren sind eher etwas für den wirklich passionierten Sammler mit großem Geldbeutel. Solche Geräte sind natürlich besser Ausgestattet, oft mit einem aktiven Luftbefeuchtersystem. Hier wird in der Regel nur destilliertes Wasser in einem Tank nachgefüllt und das Gerät regelt aktiv die Luftfeuchte. Allerdings habe ich nicht viele Humidore zu einem noch vertretbaren Preis gesehen, die auch eine gute Temperaturkontrolle besitzen. Wer also nicht auf richtig große kommerzielle Systeme setzen will, aber auch keinen Raum im Haus hat, der relativ konstant bei Raumtemperatur gehalten wird, der sollte Weinschränke und andere Temperaturschränke in Betracht ziehen, in denen er seinen Humidor aufbewahrt.

Für einen guten Humidor mit Luftfeuchte- und Temperaturkontrolle kann man schnell mehrere tausend Euro ausgeben. Als meine persönliche Daumenregel habe ich eingeführt, dass der Humidor nicht mehr kosten sollte als sein Inhalt. Wer also 20 Zigarren á 20 Euro sein Eigen nennt, sollte in der Preisklasse bis EUR 400 suchen.

Wer viel Angst um seine Schätze hat, kann auch einen Sensor in den Humidor legen, der die Luftfeuchte und die Temperatur ständig misst und an das Smartphone übermittelt. Manche Systeme arbeiten nur mit Bluetooth, andere sogar über WLAN. Bei letzteren ist sogar aus dem Urlaub eine Kontrolle des heimischen Humidors möglich.

Grundsätzlich ist die Lagerung im Humidor nicht nur eine einfache Aufbewahrung, gerade gute Zigarren profitieren sogar davon, wenn man sie ein paar Jahre einlagert. Ähnlich wie gute Weine, reifen Reservas und Gran Reservas zu ihrer wahren Größe erst nach ein paar Jahren. Die Aromen werden weiche und ausgeglichener. Doch dazu sollte man natürlich eine durchgehende Überwachung der Umweltbedingungen gewährleisten.

Für den Transport oder auch die Reise bevorzuge ich übrigens die Systeme von Boveda. Das sind kleine Tüten, die, in einem Reisehumidor, einer größeren Kunststofftüte oder einem anderem luftdichten Gefäß, automatisch die richtige Luftfeuchtigkeit einstellen und sehr schön konstant halten. Perfekt für Dienstreisen und im Urlaub.

Manche Zigarren werden auch in Metall-Tubos verkauft. Meist ist die Zigarre noch mit einem dünnen Stück Zedernholz umwickelt. Tubos sollte man keiner direkten Sonneneinstrahlung und zu großer Hitze aussetzen, da dies zu einer Überfeuchtung der Zigarren führen kann. Für den (kürzeren) Transport sind die Tubos gut geeignet. Daheim sollte man dann jedoch die Zigarren auspacken und im Humidor lagern, da dort die Bedingungen einfach besser sind.

Nachdem Sie nun alle Grundlagen zur Zigarrenlagerung gelernt haben, sollte einem guten Zigarrengenuss auch noch nach Jahren der Lagerung nichts mehr im Wege stehen!